Warum kann die Osteopathie die Trigeminusneuralgie beeinflussen?

Osteopathie Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie ist eine äußerst schmerzhafte Erkrankung des gleichnamigen Hirnnervs (Nervus trigeminus). Sie verursacht plötzlich einschießende, heftige Schmerzattacken im Gesicht. Oft kurze, blitzartige Schmerzattacken, einseitig, auslösbar durch Berührung, Kauen, Zähneputzen etc.

Die Trigeminusneuralgie entsteht oft durch Gefäß-Nerven-Kontakt (z. B. Arterie, die auf den Nerv drückt) im Bereich des Nervus trigeminus nahe dem Hirnstamm verursacht.

Warum kann die Osteopathie die Trigeminusneuralgie beeinflussen?

Um diese Frage zu beantworten, braucht man einen Einblick in die komplexe Anatomie dieses Nervs.

Anatomie und Verlauf des Nervus trigeminus

Der Nervus trigeminus, der fünfte Hirnnerv, ist ein gemischter Nerv, der vor allem sensible Fasern enthält, aber auch motorische Anteile (Kaumuskeln) besitzt. Er entspringt an der Seitenfläche der Pons (Brücke) mit zwei Wurzeln: einer großen sensiblen Wurzel und einer kleineren motorischen Wurzel. Nach seinem Austritt aus dem Hirnstamm verläuft der Nerv nach vorne zur Felsenbeinpyramide des Schädels (Pars Petrosa vom Os Temporale) und tritt dort in eine Vertiefung an der Vorderfläche des Felsenbeins ein – die sogenannte Impressio trigeminalis in der mittleren Schädelgrube.

Quelle Bild – Pars Petrosa Ossis Temporalis

Quelle Bild – Ganglia Trigeminale

Quelle Bild – Ganglia Trigeminale

Quelle Bild – Ganglia Trigeminale

Dort liegt das Ganglion trigeminale (auch Gasser-Ganglion genannt), das wie ein Nervenknoten aussieht. Von diesem Ganglion aus teilt sich der Nervus trigeminus durch das Os Sphenoidale (Keilbein) in seine drei Hauptäste, die jeweils unterschiedliche Regionen von Gesicht und Schädel sensibel (und teilweise motorisch) versorgen:

Quelle Bild – Trigeminal Nerve

Quelle Bild – Trigeminus Nerv

1. Nervus ophthalmicus (V1):

zieht durch die Fissura orbitalis superior, Spalt zwischen Ala major und Ala minor des Os sphenoidale

Dieser rein sensible Ast verlässt das Ganglion nach vorn und zieht durch die Fissura orbitalis superior in die Augenhöhle (Orbita). Dort verzweigt er sich weiter und verläuft durch die Wand der Orbita nach vorne zur Stirn, dem oberen Augenlid, der Nase und dem Tränenapparat. Er gibt dabei mehrere Äste ab, darunter den N. nasociliaris, N. frontalis und N. lacrimalis. Die sensiblen Fasern versorgen z. B. die Cornea, die Haut der Stirn und das obere Augenlid.

2. Nervus maxillaris (V2):

zieht durch das Foramen rotundum, innerhalb der Ala major des Os sphenoidale

Auch dieser Ast ist rein sensibel. Er verlässt das Ganglion und tritt durch das Foramen rotundum in die Fossa pterygopalatina ein, eine kleine Grube hinter dem Oberkiefer. Von dort gibt er zahlreiche Äste ab, die über verschiedene kleine Öffnungen den Gaumen, die Nasenhöhle, die Kieferhöhle und die Gesichtshaut der Wange erreichen. Einer seiner wichtigsten Äste ist der Nervus infraorbitalis, der durch den Canalis infraorbitalis verläuft und durch das Foramen infraorbitale auf die Gesichtshaut tritt, um die Haut der Wange, Oberlippe und des Unterlids zu versorgen.

3. Nervus mandibularis (V3):

zieht durch das Foramen ovale, ebenfalls in der Ala major des Os sphenoidale

Dieser Ast ist der einzige mit motorischen und sensiblen Fasern. Er verlässt das Ganglion gemeinsam mit seiner motorischen Wurzel durch das Foramen ovale in die Fossa infratemporalis. Dort vereinigen sich die sensiblen und motorischen Fasern zum gemeinsamen Stamm des N. mandibularis.

Von hier aus zieht der Nerv in verschiedene Richtungen. Er gibt motorische Äste zu den Kaumuskeln ab, darunter den M. masseter, M. temporalis sowie die Mm. pterygoidei. Weitere motorische Äste versorgen den M. mylohyoideus, den vorderen Bauch des M. digastricus, den M. tensor veli palatini und den M. tensor tympani im Mittelohr.

Die sensiblen Äste des N. mandibularis verlaufen zu verschiedenen Regionen des Gesichts.

Osteopathische Behandlung von Trigeminusneuralgie

Unter anatomischen Gesichtspunkten könnte eine osteopathische Behandlung bei Trigeminusneuralgie von Bedeutung sein:

  • Dekompression der Bereiche, in denen der Nerv verläuft, insbesondere am Ganglion trigeminale, in den Foramina (rotundum, ovale) sowie im Austrittsbereich der einzelnen Äste
  • Lockerung der Muskulatur, die die Gleitfähigkeit des Nervus trigeminus sowie Engstellen und Durchtrittsbereiche beeinflussen kann.
  • Verbesserung der Beweglichkeit des Kiefergelenks (Temporomandibulargelenk) , das in enger Beziehung zum Trigeminus steht
  • Förderung der Nackenbeweglichkeit – und damit der Mobilität des Trigeminusnervs im Bereich seines Ursprungs am Hirnstamm
  • Regulation von Spannungen im kranialen Bereich (z. B. Os temporale, Os sphenoidale), die sich auf den Verlauf des Nervs auswirken können
  • Einfluss auf das autonome Nervensystem, insbesondere durch die osteopathische Arbeit am kraniofazialen System, was zur allgemeinen Schmerzregulation und zur Beruhigung des übererregten Nervensystems beitragen kann

Übung für Zuhause für Trigeminusneuralgie: Gleitmobilisation des Nervus mandibularis (V3)

Ausgangsposition:

  • Setze dich aufrecht hin
  • Schultern entspannt
  • Kopf in neutraler Position (geradeaus schauen)

Ablauf:

  1. Öffne langsam den Mund – wie beim Gähnen – und lasse den Unterkiefer locker nach unten sinken.
  2. Während du den Mund öffnest, drehe den Kopf sanft zur Gegenseite (z. B. nach links, wenn du rechts Beschwerden hast).
  3. Blicke leicht nach oben, während du den Kopf drehst – das verlängert den Trigeminusweg vom Hirnstamm bis zur Kieferregion.
  4. Kehre dann in die neutrale Kopfhaltung zurück, schließe den Mund langsam, und mache eine sanfte Kinnbewegung nach innen (Doppelkinn-Andeutung).
  5. Wiederhole die Bewegung 5–8 Mal, idealerweise 1–2 Mal pro Tag.

Hinweise:

  • Die Bewegung soll langsam und kontrolliert erfolgen – kein Schmerz, nur leichtes Dehngefühl.
  • Vor oder nach der Übung kannst du auch sanft die Kaumuskulatur massieren (z. B. an der Wange oder Schläfe).